Kunst in der Industrie

Kunst bedient sich häufig der Industrie und Industrie bedient sich der Kunst – so könnte man die Beziehung beider auf einen kurzen Nenner bringen. Große Künstler haben in der Moderne Themen der Industrie aufgegriffen und ihre künstlerische Visitenkarte in den großen Museen hinterlassen. Manche von ihnen haben direkt in Werkshallen gearbeitet, wo sie sich der verschiedenen Materialien bedienten, die dort eingesetzt wurden. Maler, Zeichner, Bildhauer oder Designer haben sich bei der Industrie einer Region bedient, an ihren Standorten gemalt und neue Sujets in die Kunst gebracht. Nicht nur das. Sie bedienten sich auch ungewöhnlicher Materialien, wie es Eva Hesse, Nicky de Saint Phalle oder Recebba Horn vorgemacht haben. Manche bezahlten dafür mit dem Leben, weil sie die Gesundheitsgefahren dieser neuen Materialien nicht erkannten. Kunst verführt geradezu dazu, mit jeder Art von Material zu experimentieren und es in neue Kontexte und Konzepte zu einzubinden.

Die Kunst hinterließ ihre Visitenkarte in der Industrie und umgekehrt. Große Industriestandorte und Industrielle konnten sich große Kunstmuseen und Sammlungen leisten, von denen die stillgelegten Standorte heute profitieren. Heute findet man sogar ganze Raffinerien oder Kohlegruben als Industriemuseen ausgewiesen. Auch so hat die Industrie ihre eigene Visitenkarte in der Kunst abgegeben. Heute ist es undenkbar, dass nur schöne Objekte der Kunst dienen. Die reale Lebens- und Arbeitswelt bietet Themen genug. Jegliches Material darf seine typische Visitenkarte in der Kunst eines Berufenen hinterlassen. Heute werden Kunst-Ausstellungen in Zechen veranstaltet und Künstler haben ihre Ateliers in stillgelegten Werkshallen aufgeschlagen. Kunststoffe, Metalle und Hightechmaterialien jeglicher Art wurden zu Kunstobjekten. Auch bedeutende zeitgenössische Industriedesigner haben ihre Visitenkarte in der Kunst hinterlassen. Zum Teil regen Hersteller von Papier oder Kunststoffen zu Kunstwettbewerben an. Kunst und Industrie sind kein Widerspruch, sondern bilden ein spannendes Arbeitsfeld, in dem Ungewöhnliches entsteht.

Gefällt einem ein Künstler auf einer Kunstmesse, sollte man sich einfach seine Visitenkarte geben lassen und ihn im Atelier besuchen. Hier erfährt man nicht nur, wie er arbeitet, sondern kann Kunst und Industrie im Kontext wachsen sehen. Künstler beachten während der Arbeit an Industriestandorten und mit industriellen Materialien nur selten ihren gesundheitlichen Schutz. Sie sind zu beschäftigt damit, einer kreativen Idee Gestalt zu geben.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>